Roman Drayling - Thailand

 

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Roman Drayling - Awayee in Thailand

Es ist einfach unglaublich. Heute funktioniert seit langem das Internet bei uns in der Schule mal wieder. Gut denke ich, kann ich ja endlich mal die Rundmail versenden. Pustekuchen, es gibt keine Rundmail mehr. Eine Kopie hatte ich natuerlich auch nicht. 10 KB Text fuer immer und ewig verschwunden. Da ich nicht wirklich nicht noch einmal so viel Zeit investieren will, wird diese Mail sicher um einiges magerer ausfallen.

Seit dem 8.7 bin ich nun in Thailand. Erst war ich ein paar Tage in Bangkok und dann ging es in meine Provinz >Mahasarakham< die im Isaan, also im Nordosten von Thailand liegt. Der Isaan ist das Armenhaus Thailands, die Menschen leben hier groesstenteils von der Landwirtschaft. Meine Provinz zaehlt mit zu den aermsten des Landes. Ich lebe im District Payakaphumpisai, dass heisst uebersetzt irgendwas mit starker Tiger. Direkt in der Stadt lebe ich aber nicht. Die ist ungefaehr 10 Kilometer von meinem Dorf >Baan Dornmee< entfernt. Bei dem Tempo welches mein Vater faehrt, kommt mir die Distanz aber um einiges weiter vor. Mein Dorf ist ziemlich beschaulich, ich denke etwa tausend Leute moegen da wohnen. Es ist ein typisches Thaidorf, bisher sahen die fuer mich doch alle ziemlich gleich aus. Ich finde die Haeuser hier echt schoen. Es sind oftmal Haeuschen auf Stelzen, ich denke jeder hat die schon mal gesehen. Ebenerdig befindet sich meist nur das WC und die Kochstelle. Die Badezimmer sind hier so eine Sache fuer sich. Es gibt hier nur Plumsklos. Duschen im unseren Sinne gibt es auch nicht. Es gibt einen grossen Wassertrog (das Wasser ist super kalt, besonders morgens sehr angenehm) aus dem schoepft man sich halt das Wasser. Ich finde diese Art zu duschen echt gut, da man das ganze Badezimmer dabei unter Wasser setzen kann, schon ne lustige Sache. An die Sache mit dem Klopapier gewoehnt man sich auch schnell, ich muss das gute Papier ja nicht ganz missen. Oftmals steht eine Rolle Toilettenpapier beim Essen dabei. Meine Haus ist leider ein ganz normales. Meine Familie gehoert zu den reicheren im Dorf. Alle die etwas Geld haben bauen sich protzige Haeuser und errichten einen grossen Zaun. Unser Zaun ist nur bis zur haelfte fertiggestellt, vielleicht ist das Geld ausgegangen. Ich fuehle mich in meiner Familie sehr wohl. Ich habe eine Mutter (Budsara) die ein oder zwei Tage in der Woche im Tempel arbeitet, mein Vater (Sakhon) ist Lehrer an meiner Schule. Zusammen haben die beiden einen Sohn, sein Name ist Oat. Ich komme mit ihm echt gut aus, die erste Zeit war er etwas reserviert. Er ist halt ein Einzelkind. Verwoehnt ist er auch, vielleicht ganz gut, dass er jetzt einen grossen Bruder hat. Ich lasse ich nicht alles durchgehen. Die Eltern meiner Mutter wohnen auch bei uns mit ihm Haus. Die beiden sind auch echt klasse. Die Oma ist ein Unikat. Ihre Stimme ist zum schiesen, die Thais machen sowieso ganz viele komische Geraeusche, von ihr finde ich die noch besser. Ich habe schon oft spass mit meinen Leuten, auch wenn ich fest davon ueberzeugt bin, dass es froehlichere Familien als meine gibt. Meine Schule hier gefaellt mir auch gut. Ich liebe die thailaendische Schuluniform, ich habe drei normale Garnituren und zwei fuer Sport. Meine Schule hat gerade mal 650 Schueler, fuer thailaendische Verhaeltnisse ziemlich klein. Jeden Morgen wird die Flagge gehiest und die Nationalhymne gesungen. Meist labert dann auch noch irgendein Lehrer. Eine Schulstunde dauert hier sechzig Minuten, die ersten Tage war das fuer mich echt zu viel. Da die Schule dann auch bis 17 Uhr geht, da war ich dann so kaputt, dass ich bereits um 21 Uhr abends zu Bett ging. Ich lerne hier normal mit meiner Klasse mit (6/1) habe aber auch Einzelunterricht in speziellen Faechern. Thaitanz, Thaiboxen, Blumen binden, Fruechte schnitzen, Thai, Thai Kunst um einige zu nennen. Die Schule ist in Thailand der Lebensmittelpunkt fuer die Jugendlichen. Hier trifft man sich auch nach der Schule gerne, um Sport zu machen, oder um einfach die vielen Sitzmoeglichkeiten zu nutzen. Besonders interessant finde ich den thailaendischen Tanz. Ich tanze da auch so ein bisschen mit. Bei einem traditionellen Tanz bin ich fester Bestandteil. Ich hatte auch schon zwei Auftritte. Von dem einen existiert sogar ein Video! Beim zweiten Auftritt habe ich 200 Baht vedient, 4 Euro, aber wer weiss, vielleicht werde ich hier in Thailand ja noch reich. Der Wechselkurf Euro/Baht ist wirklich ausgezeichnet. Aber weniger ausgeben tut man dann doch nicht. Man kauft einfach viel mehr. Ich telefoniere hier in Thailand sehr viel, das ist naemlich spottbillig, aber auf die Dauer laebbelt sich da auch was zusammen. In Thailand einkaufen macht spass, auch wenn viele Verkaeufer ihre Preise fuer den Auslaender doch gerne mal verdoppelt. Wenn ich erstmal genug Thai kann, werde ich denen mal meine Meinung sagen. Aber vielleicht ist es auch verstaendlich, die Leute hier haben echt nichts zu verschenken. Doch gerade die Leute in meinem Dorf die nicht so viel haben, sind sehr nett. Ich habe bisher schon sehr viel erlebt. Die ersten Wochen war ich fast ueberhaupt keine volle Woche zu Hause. Ich war bereits ein Wochenende in Khon Kean (Nachbarprovinz), auf zwei Beerdigungen in Mahasarakham, zwei Mal shoppen in Mahasarakham (Provinzhauptstadt), auf nem Sportfest in Bolabue, auf nem Tanzwettbewerb in Wapi Pathum, ich hatte nen Auftritt beim nem Radiosender in Na Chaua, ich habe in Nadun im Tempel uebernachtet, ebenfalls war ich in Nadun auf einem Englisch Camp, in Mahasarakham war ich auch schon auf einem Englischcamp. Mehr faellt mir jetzt nicht ein, viele von meinen Unternehmungen waren mehrtaegig. Mein kommendes Wochenende wird sicher auch sehr gut. Am Samstag fahre ich mit dem Bus nach Nong Song Hong zu einer Freundin, und von da aus geht es dann nach Mahasarakham. Was sicher auch ziemlich interessant ist, die Sache mit der Verstaendigung. Also die meisten Leute koennen hier ein wenig englisch. Keine richtigen Saetze, aber sie kennen schon einige Woerter. Meine Familie eben auch. Am Anfang war es dann schon schwierig irgendwie zu erklaeren was man denn jetzt meint. Aber jetzt ist das meistens kein Problem mehr. Die Leute meinen ich habe Thai echt schnell gelernt. Es gibt 44 Konsonanten und 32 Vokale. Dazu kommen noch Sonderkombinationen und die fuenf verschiedenen Toene. Freilich habe ich das nicht alles drauf. Aber vieles kann ich doch schon. Lesen klappt auch immer besser. Erst heute hat mich meine Lehrerin gelobt. Schreiben kann ich ebenfalls recht gut. Nur das sieht halt aus wie von einem Grundschueler, aber das wird noch. Die sauklaue kommt noch von selbst.

So ich werde dann jetzt mal aufhoeren. Ich haette noch viel zu erzaehlen, aber ich habe einfach keine Lust mehr zu tippen. Man kann seine Zeit hier einfach besser nutzen. Und die Zeit vergeht hier einfach viel zu schnell. Ich wuerde mich freuen auch was von euch zu hoeren.

Bis bald, Ram >>> mein Thainame


 

Es ist mal wieder Zeit, dass ich mich melde. Bin jetzt schon gut fuenf Monate hier, dass die Zeit so schnell rum geht, habe ich nicht geglaubt. In meinen bisherigen Monaten habe ich sehr viel erlebt, staendig bin ich am Reisen, lerne neue Leute kennen und verstehe mehr und mehr das Land.

Mit meiner Familie komme ich noch gut aus. Meine Familie mag mich, davon gehe ich mal aus, und ich mag sie auch. Oft fuehle ich mich nicht wie ein Gast, sondern wie ein richtiges Familienmitglied. Im Haushalt mache ich auch immer mehr Dinge selbststaendig, und wenn ich was suche, dann werde die Schraenke durchwuehlt. Doch darf ich nicht vergessen, dass ich doch nur ein Jahresgast bin. Trotzdem gefaellt es mir, wie es bei uns zu Hause ablaeuft. Habe da schon ganz andere Geschichten gehoert. Meine Gastbruder verstehen uns auch super. Mit sieben Jahren hat dieser aber bessere Sachen zu tun, als mit mir abzuhaengen. Abends hat er dann aber auch mal Zeit fuer mich. Er ist schon ganz niedlich, aber Einzelkind. Und Kinder allgemein, und Einzelkinder wohl noch mehr, werden ziemlich verwoehnt hier. Zumindest was ich so mitbekommen habe. Oft schlafen bei uns auch noch ein bis zwei andere junge Maenner. Nur um das mal richtig zu stellen: das sind die Kinder von der Schwester meiner Mutter. Irgendwie hatte ich da mal was anderes geschrieben. Mit denen komme ich auch gut aus, wenn man sie denn mal sieht. Ich habe jetzt auch mein erstes Haustier bekommen. Letzten Sonntag war ich auf nem ziemlich grossem Markt. Da habe ich mir dann einen kleinen Koi, 10 cm, gekauft. Ganze 10 Baht das mich gekostet. Werde mir demnaechst noch mehr kaufen. Fuenft muessen es mindestens sein. Da unser Hund vor gut einem Monat von einem Hundefaenger (in einem unserer Nachbardoerfer wird Hundefleisch gegessen) weggeschnappt wurde, bekommen wird bald auch wieder einen Hund. Unsere Nachbarn haben gerade fuenf Welpen. Mein Bruder und ich haben uns bisher aber noch auf keinen Welpen geeinigt. Wer weiss, vielleicht werden es ja zwei Hunde. Sich ein Tier anzuschaffen geht hier ziemlich schnell. Aber Tiere lassen sich hier auch viel leichter in den normalen Tagesablauf eingliedern als in Deutschland. Beinahe haette ich auch ein Krokodil bekommen. Eine Frau in Nakon Pathom (in der naehe von BKK, mehr dazu spaeter) wollte mir bis zu drei Krokos schenken. Doof wird es dann aber, wenn ich nach Deutschland zurueck gehe, und alles hier lassen muss. In der Schule bin ich auch immer noch ziemlich gluecklich. Mein zweites Semester hat im November begonnen, und ich werde neue lustige Faecher bekommen. Mehr kann ich dazu leider gerade nicht sagen. In meiner Schule bin ich nicht mehr so besonders, langsam haben sich wohl alle an mich gewoehnt. In meiner Klasse hat sich jetzt auch schon gezeigt wer Freundschaftspotenzial hat, und wer nicht. Mit einem Jungen, Bu, mache ich besonders viel. In der Schule sind wir sehr viel zusammen und am Wochenende unternehmen wir auch ab und an was. Neulich war ich mit ihm bei einem Bootsrennen in einer Nachbarstadt, wir sind mit dem Roller hingefahren. Meine Eltern und auch einige Lehrer an meiner Schule, sehen es nicht so gerne, wenn ich mit dem Roller mitfahre. Auf thailaendischen Strassen geht schon gefaerhlich zu. Meine Lieblingslehrerin hat mir mehr als einmal eine ziemliche Standpauke ueber dieses Thema gehalten. Die Lehrer, also ziemlich viele davon, sind ziemlich nett an meiner Schule. Schon mehrere Einladungen nach Hause bekommen. Eine Lehrerin habe ich ein laengeres Wochenende besucht, und bin mit ihr auch nach Bangkok gefahren. In Bangkok war ich inzwischen schon viermal. Dreimal ziemlich kurz (ein paar Stunden bis einen Tag) und einmal eine gute Woche. Und schon bin ich im Oktober. Im Oktober hatten wir keine Schule. Die Ferien habe ich mir aber auch verdient, hatte ja nichts von den deutschen Sommerferien. Ich habe immer gehofft, dass ich in den Ferien viel reisen kann. Die Hoffnung aber teilweise schon aufgegeben, da meine Eltern mich gerne zu Hause sehen. Aber letztendlich ist doch alles gut gegangen. Eine gute Woche war ich auf meinem ersten AFS Camp in Phrae (Nordthailand). Da sind alle AFS Austauschschueler aus dem Nordosten und Nordes des Landes zusammen gekommen. Insgesammt waren wir gut 30 Jugendliche, Amtssprache war Deutsch. Es sind aber auch viele Deutsche hier. Phrae und der Norden an sich, sind ein grosser Unterschied zu der Region wo ich hier lebe. Bei mir ist alles ziemlich flach, es gibt viele Reisfelder, wenig Baeume und alles ist trocken. Selbst in der Regenzeit war es trocken. Im Norden gibt es richtige Berge und viel viel Gruenzeug. Viele Leute finden der Norden ist der schoenste Teil von Thailand. Ich bin mir da noch zu unsicher. Ich muss ja erst noch den Sueden sehen. Naechstes Jahr werde ich fast zwei Monate Ferien haben, mehr als genug Zeit um mir Thailand anzuschauen. Vorausgesetzt meine Eltern lassen mich ziehen. An das Camp anschliessend haben mein Bruder, ich und mein Vater ein paar Tage auf der Farm von der Mutter meines Vaters verbracht. Ich lebe ja schon sehr laendlich, auch im Vergleich zu anderen AFS Schuelern. Aber das hat es noch getoppt. Das war Farmleben pur. Ich habe die Tage damit verbracht die elf Kuehe zu hueten. Morgenes werden diese auf die Weide getrieben und gegen abend wieder nach Hause. Vom Kuehehueten habe ich auch ein bisschen Farbe bekommen. Dafuer das ich gut vier Monate hier bin, bin ich immer noch ziemlich weiss. Aber so heiss auf die Sonne bin ich auch nicht. Nach den Farmtagen ging es dann in Thailand’s groesste Stadt, Bangkok. Diesmal aber fuer eine Woche. Ich habe einen AFS’er (Thai) bersucht. BKK ist ziemlich toll. Total faszinierend! Altes trifft auf super modernes. Vor Hochhaeusern und Shopphingcentern stehen Geisterhaeusen. Die Religion spielt auch in einer Stadt mit zehn oder neun Millionen Einwohnern eine Rolle. Ueberall herrscht permanent Stau, man sollte Stunden einplanen um puenktlich anzukommen. Zwischen den Haeuserschluchten ist es schwuel und heiss, dafuer kann man gut einkaufen. Bangkok hat die groessten Einkaufscenter die ich je gesehen habe, unglaublich, und diese Menschenmengen, aber sie sind in BKK ja ueberall. Joe, der AFS’er, hat mir viele von den Sehenswuerdigkeiten gezeigt. Besonders der Wat Arun hat mir sehr gut gefallen. Der Golden Mountain ist aber auch sehr schoen, man hat nen netten Rundblick auf die Stadt. Mit Joe’s Eltern sind wir einen Tag auch ausserhalb Bangkoks rumgereist. Wir waren am Meer baden, haben die Bruecke am Kwair River besichtigt und die groesste Pagoda (oder so aehnlich) des Landes in Nakhon Pathom besucht. Seine Familie ist sowieso ganz ausgezeichnet. Wir wurde angeboten bei ihnen zu wohnen. Sicher ein tolles Angebot, aber wie ihr seht, habe ich nicht angenommen. Bangkok ist grossartig, aber es ist nur zum Teil Thailand. Bei mir im Isaan gibt es bedeutent mehr Kultur, und sicher auch die netteren Menschen. Ausserdem habe ich ja meine Familie bereits, aber man soll ja nie nie sagen. Meine Woche in Bangkok war mit eines der besten Erlebnisse meines bisherigen Aufenthaltes. Schon ziemlich toll, und ziemlich teuer. Auch habe ich Geschmack an Sushi gefunden, super lecker. Wir waren dreimal gut und teuer Sushi essen. Im Vergleich zu Thaifood haben wir ein Vermoegen dafuer bezahlt. Tuk Tuk's, aber eigentlich jedes Verkehrsmittel, fahren ist in Bangkok ein Erlebniss. Muss man mal gemacht haben! Zu der Zeit als ich in BKK war haben meine Eltern unseren Reis geernet. Schon dumm, dass ich zu dieser Zeit nicht da war. Aber eine andere Reissorte wird jetzt im November noch geernet. Am letzten Sonntag haben wir den Reis aber erst nach Hause geholt. Ein paar Tage lag dieser auf der Strasse um richtig auszutrocknen. Der Reis musste dann von der Strasse in den Sack. Aus Angst braun zu werden verschleihern sich die Thais bei solchen Arbeiten, so auch ich. War schon ne lustige Sache. Meine Eltern haben sich gefreut, habe gut mitgeholfen. Oefters gehe ich auch an den Webstuhl meiner Oma, und mache Seide. Thais sehen es gerne, wenn ich Seide mache, oder bei der Reisernte behilflich bin. Es freut sie richtig. Aber ich bin sowieso sehr gut angepasst. Ich kann fast alles essen, obwohl manche Sachen wirklich nichts fuer meinen Gaumen sind, scharf ist auch kein Problem mehr. Ich habe mich gut eingelebt. Zu den Leuten in meinem Dorf habe ich auch viel Kontakt. Vieles ist inzwischen aber schon selbstverstaendlich geworden. Jedenfalls so, als ob ich schon laenger als vier Monate hier lebe. Thaitanz ist auch immer noch eine ziemlich tolle Sache. Letzten Samstag hatte ich meinen dritten Auftritt in Roi Et. Dort fand ein buddhistisches Fest statt, und unsere Schule hat getanzt. War wieder ziemlich lustig, dass ganze Fest. Ich wurde diesmal auch sehr thaimaessig geschmickt und angezogen. Bei uns ist die Regenzeit schon laengst vorbei, nun kommt die kalte Jahreszeit. Aber merken tut man davon bisher nicht sonderlich viel. Es ist die letzten Tage super heiss gewesen, heute geht es. Gestern war ich mit meinen Eltern und Freunden auf einem Roykratung Fest. Bei diesem sicher buddhistischen Fest, werden kleine runde Boetchen gebaut und diese mit Blumen, Kerzen und Raeucherstaebchen verziert. Nach einem kurzen Gebet laesst man die Boetchen dann auf dem See bzw. Fluss treiben. Bei uns gibt es ja sowas aehnliches, im weitesten Sinne, dass Lichterfest in Bad Grund.

Gut, gut. Mit Bad Grund wird das hier erstmal enden.

Schreibt mir ruhig alles was ihr wollte. Immer schoen Briefe, Mail’s etc. zu bekommen.

Gruss Roman

 

Hallo alle zusammen,

Es wird mal wieder Zeit, dass ich was von mir hoeren lasse. Es sind jetzt schon mehr als sieben Monate von meiner Zeit hier verstrichen, am 21. Mai geht es schon wieder nach Deutschland. Die letzten Monate im wunderschoenem Thailand will ich so gut wie moeglich nutzen. Viel Zeit will ich mit meiner Gastfamilie und Freunden verbringen, aber will ich auch noch ein bisschen von Thailand sehen. Ende diesen Monats geht es dann auch wieder auf eine Reise, fuer zwei Wochen werden ein paar AFS Schueler, so auch ich, an die Grenze zu Malaysia reisen. Mir graut es gehts schon vor der Horrorbusfahrt dahin. Die Naechsten Monate werden klasse, aber die letzten waren auch nicht ohne. Ich habe schon einiges zu erzaehlen.
Den November ueberspringe ich mal, sicher war da auch irgendwas aufregendes, aber ich kann mich nicht mehr dran erinnern. Doof das ich kein Tagebuch schreibe. Dann zum Dezember. Der Dezember war ein ganz netter Monat. Zum einen lag das an den echt angenehmen Temperaturen, wir hatten ja auch Winter und natuerlich an Weihnachten. Zum ersten Mal habe ich Weihnachten alleine, sprich ohne meine richtige Familie gefeiert. Natuerlich habe ich an den Tagen um Weihnachten rum haeufiger an meine Leute in Deutschland gedacht, doch im Grossen und Ganzen war es nicht so schlimm. Ich selbst habe gedacht, dass ich Heimweh zu den Weihnachtstagen bekomme. Meine Gastfamilie hat sich aber auch darum bemueht, mir die weihnachtlichen Tage so angenehm wie moeglich zu gestalten. Schon ein paar Tage vor Heilig Abend wurde eine Christsternblume fuer mich gekauft. Zu Weihnachten habe ich dann ein paar schoene (gebrauchte) Schuhe und eine Dickies Jacke (ein Muss hier) bekommen. Einen Tag nach den Feiertagen hat mir meine Mutter dann noch eine superkitchige Schweinemusikspieluhr geschenkt. Am meisten habe ich mich aber ueber die dazugehoerige Karte gefreut. Meine Leute haben was ziemlich nettes fuer mich geschrieben. Und sie sind auch ziemlich nett zu mir. Ich fuehle mich hier noch sehr wohl. Ich habe wirklich eine sehr gute Gastfamilie abbekommen. Ich weiss ja bei vielen anderen AFS Schuelern was sie fuer Gastfamilien haben. Ich kann echt froh sein. Ein richtiges Unikat ist meine Gastoma, Jaai Nu. Vielleicht habe ich schon mal was ueber sie geschrieben, aber egal. Sie ist halt schon aelter, dicker, lustig und ein bisschen herrisch. Unglaublich wie man auf dem Boden sitzend doch alles genau im Blick haben kann. Mit Jaai oder auch Jaai Nu haenge ich oefters mal ab. Zusammen sitzen wir dann auf einer Matte vorm Haus beobachten die vorbeifahrenden Motorroller, Kuehe, Bueffel und Kinder (es gibt hier unmengen von Kindern). In er letzten Zeit hat sie auch angefangen mich im Kochen zu unterrichten. Im Haushalt helfe ich sowieso jetzt viel mehr als frueher. Ich mach mal hier und mal hier was. Meine festen Arbeiten sind unter anderem das abraeumen unserer Essmatte, das auffuehlen unserer zwei Wasserspeicher und die Reinhaltung der Regale im Badezimmer. Eigentlich muesste ich aber gar nichts machen. Aber ein bisschen mithelfen kann ja wohl nicht schaden.

Silvester war dieses Jahr nicht ganz so der Bringer. Mein Vater und ich sind in ein Nachbardorf gefahren um mit Schuelern zu feiern. Um sieben Uhr etwa begann die Party. Wir haben lecker Huehnchen gegessen und dazu ein bisschen Bier getrunken. Spaeter wurden dann Bilder mit meiner Kamera gemacht und dazu wurde ein bisschen selbstgebrannter Reisschnaps getrunken. Ich bin mir nicht mehr sicher wann genau ich im Bett lag, es war so gegen halb neun rum. Das Neue Jahr habe ich verschlafen, dass erste Mal, dass ich mich bewusst an das Verschlafen eines Neuen Jahres erinnern kann.

Im Januar ging es dann auch auf zwei Camps, insgesamt war ich gute drei Wochen unterwegs, ein paar Tage dazwischen war ich aber auch mal zu hause (Waesche waschen). Die letzten zwei Wochen des Januars verbrachte ich in meiner Provinzhauptstadt Mahasarakham. Dort hatte ungefaehr zehn Austauschschuelern aus dem Nordosten Thailands ein Kultur-Austauschcamp. Mein Kultur-Austausch bestand darin, dass ich in einer reicheren Familie gewohnt habe, und auf eine Eliteschule gegangen bin. Waehrend der zwei Wochen hat jeder Austauschschueler eine neue Gastfamilie bekommen. Mit meiner Gastfamilie hatte ich wieder mal Glueck. Mit der Gastmutter war ich einen Abend auf einer netten Party, und mit meinem Gastbruder (16 Jahre) habe ich heute noch was zu tun. Ich habe mich sogar schon ein paar Naechte nach Ende es Camps bei meiner Gastfamilie in Mahasarakham einquartiert, und ich werde da sicher nochmal uebernachten. Echt nette Leute. Das Kultur-Autauschcamp war an sich nicht so der Renner. Das Programm klang war echt gut, letztendlich haben wir aber recht wenig davon wirklich gemacht. Mit ein paar Auslaendern, meinem Gastbruder und Freunden von ihm hatten wir aber schon eine Menge Spass. Ein Wochenende waehrend des Camps haben wir in Pattaya verbracht. Dort hatten wir ein Englisch Camp, also eigentlich hatten wir das, ein Thaiprogramm ist eben sehr flexibel. Aber die Zeit nach der eigenen Nase zu planen ist ja auch viel netter. Pattaya ist die Sextouristenstadt Thailands. Unglaublich wie viele eckelhafte Auslaender man mit jungen Maedchen, aber auch viele mit ehemaligen Maennern gesehen hat. Eine Nacht sind wir dann auch auf der Sexmeile Nr 1 in Pattaya gelandet. Da konnte man schon das eine oder andere interessante sehen. In einem deutschen Restaurant haben wir Leberwurstbrote gegessen, und eine deutsche Touristin hat uns ueber die Kaeltewelle informiert und uns einen Vortrag ueber das politische System Nicaraguas gehalten. Wen diese Frau doch alles kennt, sehr interessant. In Pattaya habe ich mir auch schoene Schuhe gekauft.

Nach dem Kultur-Austauschcamp in Mahasarakham ging es dann auf unser zweites AFS Camp. Diesmal fand dieses in Chiang Mai statt und alle 51 AFS Schuelern mussten kommen. Wir koennen echt von Glueck reden, dass wir den Bus nach Chiang Mai noch bekommen haben, es war verdammt knapp. Mit zwei Freunden ging es dann gute 10 Stunden in den Norden. Das Camp in Chiang Mai war sehr gut, sehr viel besser als das erste AFS Camp in Phrae. Zum einen war das Programm einfach besser, und waren diesmal alle Schueler zusammen. Unter anderem habe wir alle verschiedene Massagen bekommen, sind Elefanten geritten und Oxenkarren gefahren. Wir haben eine Schule fuer Karenkinder (Minderheit im Norden bzw. Thailand) besucht, waren in vielen Manufakturen, haben schoene Tempel besichtigt und waren auf einem riesigem Nachtmarkt. Das war alles echt toll, aber abends im Hotel war es auch echt toll. Wir hatten schon unseren Spass. Mit mehren AFS Freunden bin ich dann auch wieder nach hause gefahren, aber da ging es nicht gleich bin. Vorher haben wir uns noch fuer zwei Naechte in Mahasarakham einquartiert. Die erste Nacht waren wir erst in einer stylischen Bar und spaeter in einer Disko, die leider aber schon um punkt 1 Uhr nachts dich gemacht hat. Geschlafen haben wir in einem Studentenwohnheim. Von AFS her ist das natuerlich alles verboten, aber was AFS nicht weiss, macht AFS nicht heiss. Die zweite Nacht habe ich bei meiner mahasarakhamer Gastfamilie geschlafen. Meine richtige Gastfamilie hat sich auch richtig ueber mein Heimkommen gefreut. Mein Geschenk ist zwar nicht so gut angekommen, aber auf meiner naechsten Reise werde ich was bessers kaufen.

Von meiner Familie her habe ich jetzt auch viel mehr Freiheiten. Am Anfang meines Jahres, eigentlich hat es sich schon bis zum 4 ten Monat hingezogen, wurde ich sehr gut behuetet. Unternehmungen mit Freunden waren nicht wirklich drinnen. Man muss halt wirklich immer mit dem Motorroller hinfahren, meine Eltern hatten aber was dagegen, es ist ihnen zu gefaehrlich gewesen, und das ist es ihnen auch immer noch. Bin ich froh, dass sie nichts von meinem kleinem Unfall erfahren haben. In den letzten Monaten hat sich das aber sehr verbessert. So darf ich jetzt schon mit Freunden unterwegs sein. Jeden Freitag ist Markttag, da ist es schon fast verstaendlich das ich mit meinem besten Freund, Bu, hinfahre. Meine Mutter erwartet sicher schon immer meiner Frage, ob ich denn fahren darf. In der normalen Woche sind Unternehmungen seltener, da ist der woechentliche Markttag immer ein richtiges Erlebniss. Eine kleine Anmerkung. Einen Hund haben wir jetzt doch nicht. Nur wegen mir sollte dann doch kein Tier angeschafft werden. Mein Koikarpfen lebt noch, drei Andere die ich auf dem Markt gekauft habe sind gestorben. Todesursache ungeklaert.

Vor ein paar Wochen hatte meine Klasse nur bis zum Mittag Schule, keine Ahnung warum, es war einfach so. Ungefaehr fuenfzehn Leute aus meiner Klasse und ich sind in ein Nachbardorf gefahren, um uns von dem dort lebenden Moench die Zukunft voraussagen zu lassen. Ich bin mir dessen ja immer sehr skeptisch gewesen,aber jetzt muss ich es einfach glauben. Der Moench hat einige handfeste Voraussagungen gemacht. Zum einen meinte er meine Augen waeren sehr schlecht, es wuerde auch immer schlechter werden. Da ich gute zwei Meter von ihm weg sass, und Kontaktlinsen trug, kann er meine tatsaechliche Augenschwaeche nicht erkannt haben.Ueber meine richtige Familie und meinen Bruder hat er was richtiges gesagt, und auch in Sachen Liebe sah es ziemlich richtig aus. Der Moench hat sich bei mir wohl echt angestrengt. Insgesamt sieht es mit meiner Zukunft sehr gut aus, ich wurde von Allen dazu beglueckwuenscht. Auch von vielen Leute aus meinem Dorf. Thais glauben solche Voraussagen. Irgendwie glaube ich es aber auch, halt ein bisschen. Eigentlich sind Moenchen solche Wundertaten untersagt, aber es kommt ja nicht von ohne, dass der Tempel in diesem Dorf der Schoenste der Umgebung ist.

Ich bin sehr froh, dass ich hier, genau hier bin. Man merkt es schon an meiner Provinzhauptstadt (die nur eine Stunde von mir entfernt ist) wie unterschiedlich die Menschen sind. Mit Bangkok ist das schon gar nicht mehr zu vergleichen. Ich wurde von jedem hier mit offenen Armen empfangen, und auch immer noch sind die Leute interessiert an mir. Die Leute hier sind warm und freundlich. Ich finde es einfach nur toll, wenn ich zu meinen Nachbarn ruebergehe, und dann wie selbstverstaendlich dazugehoere. Wenn Leute aus meinem Dorf auf ein Fest fahren werde ich meist dazu auch eingeladen. Ich kann das vielleicht jetzt nicht so gut rueberbringen, aber ich fuehle mich einfach total gut akzeptiert und integriert. Ich werde wenn ich in Deutschland bin sicher viele Leute aus meinem Dorf hier vermissen. Von mehreren habe ich auch schon gehoert das sie mich vermissen werden, was ich auch gut und gerne glauben kann.

Sodali, das wars dann erstmal. In den naechsten paar Monaten werde ich mindestens noch einmal von mir hoeren lassen.

Macht es gut

Ram